21. Juli 2026 • Stefan
Vom Zeitungsartikel bis zum Go-live
Aus einem Satz im STANDARD wurde ein gemeinsames Projekt: FLINTAXI. Stefan erzählt vom ersten Kontakt mit Sima, der Vertragsunterzeichnung am Campingplatz in Podersdorf und von langen Tagen zwischen Wohnmobil, Surfen, Servern und hartnäckigen Fehlern. Ein persönlicher Blick hinter die Technik – über Vertrauen, Ausdauer und den Weg von einer mutigen Idee bis kurz vor den Go-live.
Ein persönlicher Rückblick von Stefan
Manchmal beginnt etwas Großes mit einem einzigen Satz.
Nicht mit einem Businessplan.
Nicht mit einer Präsentation.
Nicht mit einem ausgearbeiteten Konzept.
Sondern mit einem Satz, den man liest und danach nicht mehr ganz vergisst.
Am 17. April 2026 erschien im STANDARD ein Artikel über Sima. Darin sprach sie über ihre Erfahrungen, ihre Arbeit und ihre Vorstellung davon, wie Mobilität sicherer, respektvoller und menschlicher werden könnte.
Ein Satz blieb bei mir hängen:
„In Zukunft träumt Sima von einer eigenen App.“
Ich las ihn einmal.
Dann noch einmal.
Und während ich darüber nachdachte, wusste ich plötzlich: Vielleicht kann ich dabei helfen, dass aus diesem Traum etwas Reales wird.
Ich kannte Sima damals noch nicht. Es gab keine gemeinsame Geschichte, keine langen Gespräche, keine Pläne für eine Plattform und schon gar keine Vorstellung davon, wie viele Stunden, Umwege, Rückschläge und kleine Erfolge vor uns liegen würden.
Es gab nur diesen Satz.
Und meine Nachricht an sie.
Der erste Kontakt
Ich bot Sima meine Hilfe an.
Nicht mit großen Versprechen und nicht mit der Vorstellung, schon alle Antworten zu kennen. Ich schrieb ihr einfach, dass ich ihre Idee spannend finde und glaube, dass ich sie technisch dabei unterstützen könnte.
Aus dieser ersten Nachricht wurde ein Gespräch.
Aus dem Gespräch wurden weitere Gespräche.
Und irgendwann war klar, dass es nicht nur um irgendeine App gehen würde.
Sima hatte keine oberflächliche Produktidee. Hinter FLINTAXI stand von Anfang an eine Haltung. Es ging um Sicherheit, Vertrauen, Sichtbarkeit, Respekt und darum, Menschen eine Alternative zu geben, bei der sie sich ernst genommen fühlen.
Meine Aufgabe war es, daraus eine technische Lösung zu bauen.
Was zunächst recht klar klang, wurde sehr schnell sehr groß.
Denn eine App ist nie nur eine App.
Hinter jeder Schaltfläche stehen Entscheidungen. Hinter jeder Buchung liegen Abläufe, Berechnungen, Daten, Benachrichtigungen und Ausnahmen. Hinter jeder vermeintlich einfachen Funktion steckt die Frage, was passiert, wenn etwas nicht so läuft wie geplant.
Und Software hat die unangenehme Eigenschaft, genau diese Fälle zuverlässig zu finden.
Mein Büro hatte oft Räder
Wer mich kennt, weiß, dass mein Leben nicht nur aus Servern, Quellcode und Bildschirmen besteht.
Ich bin gerne unterwegs. Ich liebe das Wasser, den Wind und das Surfen. Ich mag diese Momente, in denen man draußen ist, der Kopf frei wird und für eine Weile nur noch zählt, was direkt vor einem liegt.
Ein wichtiger Teil dieses Lebens ist unser Wohnmobil.
Wir nennen sie Liesl.
Liesl ist für Marion und mich mehr als ein Fahrzeug. Sie ist Rückzugsort, Reisebegleiterin, kleine Küche, Schlafplatz und in den vergangenen Monaten immer wieder auch mein Büro.
So entstand ein großer Teil von FLINTAXI nicht in einem klassischen Entwicklungsbüro, sondern auf Campingplätzen, an Seen, am Meer und auf kleinen Tischen im Wohnmobil.
Der lokale Entwicklungsserver lief auf meinem Rechner. Daneben lagen Notizen, Kabel, manchmal eine Tasse Kaffee und gelegentlich Dinge, die in einem Wohnmobil eben noch so herumliegen.
Draußen hörte man Menschen reden, Geschirr klappern oder den Wind durch die Bäume ziehen.
Drinnen lief der Server.
Manchmal auch nicht.
Podersdorf
Einer der wichtigsten Nachmittage dieser Geschichte fand in Podersdorf am See statt.
Marion und ich waren mit unserer Liesl am Campingplatz. Sima kam mit einer Freundin zu Besuch.
Es war kein formeller Geschäftstermin, wie man ihn sich vielleicht vorstellen würde. Kein Konferenzraum, keine sterile Besprechung, kein langer Tisch mit Namensschildern und Mineralwasserflaschen.
Stattdessen saßen wir am Campingplatz zusammen.
Wir redeten, lachten, erzählten einander von unseren Ideen und lernten uns besser kennen. Es war ein sehr angenehmer, lebendiger und unterhaltsamer Nachmittag. Einer dieser Nachmittage, die sich nicht nach Arbeit anfühlen, obwohl dabei etwas Entscheidendes passiert.
Dort unterschrieben wir auch unseren Auftragsvertrag.
Zwischen Wohnmobilen, Urlaubsstimmung und dem Neusiedler See wurde aus einer Idee ein gemeinsames Projekt.
Im Rückblick passt dieser Ort erstaunlich gut zu FLINTAXI.
Dieses Projekt entstand nie in einer glatten Unternehmenswelt. Es entstand aus persönlichen Begegnungen, ehrlichen Gesprächen und dem Willen, etwas aufzubauen, das es so noch nicht gab.
Der erste Code
Am Anfang ist Software immer still.
Es gibt noch keine Nutzerinnen und Nutzer. Keine echten Buchungen. Keine Driver, die auf Fahrten reagieren. Keine Zahlungen. Keine Rechnungen. Keine Push-Benachrichtigungen.
Es gibt nur eine leere Struktur und die Hoffnung, dass daraus irgendwann ein funktionierendes System wird.
Ich begann lokal.
Schritt für Schritt entstand die technische Grundlage. Ein Backend, erste Datenmodelle, Benutzerrollen, Buchungsabläufe und Verwaltungsbereiche.
Am Anfang geht vieles schnell.
Die ersten Seiten erscheinen. Buttons funktionieren. Daten werden gespeichert. Man sieht Fortschritt und glaubt für einen kurzen Moment, das Schwierigste bereits geschafft zu haben.
Das ist meistens der Moment, in dem die Software beginnt, anderer Meinung zu sein.
Wenn der Code nicht will
Es gab Tage, an denen alles zusammenpasste.
Eine Funktion, an der ich lange gearbeitet hatte, lief endlich durch. Eine Buchung wurde korrekt angelegt. Preise wurden richtig berechnet. Benachrichtigungen kamen dort an, wo sie ankommen sollten.
Und dann gab es die anderen Tage.
Man ändert eine kleine Stelle und plötzlich funktioniert etwas völlig anderes nicht mehr.
Ein Wert wird korrekt berechnet, aber falsch angezeigt.
Ein Ablauf funktioniert bei Kartenzahlung, aber nicht bei Barzahlung.
Ein Gutschein wird richtig abgezogen, doch an einer anderen Stelle taucht wieder der ursprüngliche Preis auf.
Ein Button reagiert.
Außer manchmal.
Und „manchmal“ ist eines der gefährlichsten Wörter in der Softwareentwicklung.
Ich erinnere mich an Abende in der Liesl, an denen ich überzeugt war, einen Fehler endlich gefunden zu haben. Ich änderte den Code, startete alles neu und testete noch einmal.
Der Fehler war noch da.
Dann kam der nächste Versuch.
Und der nächste.
Irgendwann steht der Kaffee längst kalt neben dem Rechner. Draußen ist es dunkel geworden. Der Campingplatz ist ruhig. Nur im Wohnmobil leuchtet noch der Bildschirm.
Man liest dieselben Zeilen zum zehnten Mal und fragt sich, wie etwas, das vollkommen logisch aussieht, trotzdem falsch funktionieren kann.
Dann findet man eine kleine Unstimmigkeit.
Ein falscher Wert.
Eine Bedingung, die in einem Sonderfall anders greift.
Eine Stelle, die man am Nachmittag noch für unbedeutend gehalten hat.
Man korrigiert sie.
Man testet.
Und plötzlich funktioniert es.
Diese Momente sind schwer zu erklären. Nach Stunden voller Zweifel ist da auf einmal nur ein grüner Status, eine korrekt durchgelaufene Buchung oder ein Betrag, der endlich stimmt.
Für andere ist es eine Kleinigkeit.
Für einen selbst fühlt es sich in diesem Augenblick an wie ein Sieg.
Zwischen Wind und Fehlermeldungen
Das Arbeiten unterwegs hatte seinen eigenen Rhythmus.
An manchen Tagen begann der Morgen mit Blick auf den See. Wenn der Wind passte, ging es aufs Wasser. Danach zurück zur Liesl, Rechner aufklappen, Server starten und weiterarbeiten.
An anderen Tagen blieb das Surfmaterial liegen, weil ein Problem gelöst werden musste.
Manchmal dachte ich, ich würde nur kurz etwas prüfen.
Drei Stunden später saß ich noch immer daran.
Es gab Tage, an denen der Campingplatz rund um mich langsam in den Abend überging, während ich mich durch Buchungslogik, Preisberechnungen oder Zahlungsabläufe arbeitete.
Es war eine ungewöhnliche Mischung.
Draußen Urlaub.
Drinnen Entwicklung.
Draußen Menschen mit Fahrrädern, Badesachen und Griller.
Drinnen Fehlermeldungen, Datenbanken und Testbuchungen.
Und trotzdem fühlte es sich richtig an.
Vielleicht gerade deshalb.
Aus einer App wurde eine Plattform
Mit der Zeit wurde aus der ursprünglichen Idee ein umfangreiches System.
Es entstand eine Anwendung für Rider.
Eine eigene Oberfläche für Driver.
Ein Verwaltungsbereich.
Dazu kamen Unternehmen, Dokumente, Rechnungen, Zahlungsabläufe, Gutscheine, Benachrichtigungen, Standorte, Preislogik und viele weitere Bereiche.
Jede neue Funktion brachte neue Fragen mit sich.
Was sieht ein Rider?
Welche Informationen benötigt ein Driver?
Was muss im Admin-Bereich nachvollziehbar sein?
Was passiert bei einer Stornierung?
Wie unterscheiden sich Kartenzahlung und Barzahlung?
Wie wird ein Gutschein berechnet?
Was geschieht, wenn eine Fahrt mehrere Zwischenstopps hat?
Je weiter die Entwicklung fortschritt, desto deutlicher wurde: Die eigentliche Arbeit liegt nicht darin, eine Funktion irgendwie zum Laufen zu bringen.
Sie liegt darin, dass sie zuverlässig funktioniert.
Für alle Beteiligten.
In jedem vorgesehenen Ablauf.
Und möglichst auch dann, wenn jemand etwas tut, womit niemand gerechnet hat.
Gespräche, Änderungen und neue Gedanken
FLINTAXI entstand nicht allein vor meinem Bildschirm.
Viele Lösungen entwickelten sich erst in Gesprächen mit Sima.
Wir diskutierten Abläufe, änderten Bezeichnungen, verwarfen Ideen und bauten andere neu auf. Dinge, die in der Theorie gut klangen, erwiesen sich im Alltag manchmal als zu kompliziert.
Dann begannen wir noch einmal.
Das gehört dazu.
Gute Software entsteht nicht dadurch, dass man an einer frühen Idee festhält. Sie entsteht dadurch, dass man bereit ist, genauer hinzusehen.
Manchmal bedeutete das auch, bereits fertige Teile wieder zu verändern.
Das tut gelegentlich weh.
Vor allem dann, wenn viele Stunden Arbeit darin stecken.
Aber am Ende zählt nicht, wie lange etwas programmiert wurde.
Es zählt, ob es für die Menschen funktioniert, die es später verwenden.
Die Härtungsphase
Je näher der Go-live rückte, desto weniger ging es um neue Funktionen.
Die große Frage war nicht mehr:
Was könnten wir noch einbauen?
Sondern:
Was kann noch schiefgehen?
Wir testeten Buchungsabläufe, Zahlungen, Preisberechnungen und Benutzeroberflächen. Rider, Driver und Administration mussten dieselben Werte sehen. Gutscheine mussten korrekt berücksichtigt werden. Zuschläge mussten nachvollziehbar sein. Barzahlungen durften nicht anders reagieren als vorgesehen.
Manche Fehler waren offensichtlich.
Andere versteckten sich tief in Abläufen, die auf den ersten Blick vollkommen korrekt wirkten.
Genau diese Fehler kosten Zeit.
Sie tauchen erst auf, wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig eintreten. Sie lassen sich nicht immer sofort reproduzieren. Und manchmal verschwinden sie beim Test, nur um später wiederzukommen.
In dieser Phase lernt man Demut.
Man glaubt irgendwann nicht mehr, dass etwas funktioniert, nur weil es einmal funktioniert hat.
Man testet noch einmal.
Und noch einmal.
Keine neuen Spielereien
Kurz vor dem Start kommt fast zwangsläufig der Moment, in dem noch neue Ideen auftauchen.
Das ist verständlich.
Wenn ein Produkt sichtbarer wird, sieht man immer mehr Möglichkeiten. Hier könnte noch etwas ergänzt werden. Dort wäre eine weitere Funktion praktisch. Eine kleine Änderung müsste doch noch möglich sein.
Aber kurz vor einem Go-live ist „klein“ ein gefährliches Wort.
Jede Änderung kann neue Auswirkungen haben. Jede neue Funktion muss getestet werden. Jeder Eingriff kann an einer anderen Stelle etwas verändern.
Deshalb war die Entscheidung klar:
Keine neuen Features.
Der aktuelle Stand sollte stabil live gehen.
Nur noch Fehler beheben, Abläufe absichern und die Plattform auf den echten Betrieb vorbereiten.
Manchmal besteht gute Entwicklung nicht darin, noch mehr zu bauen.
Manchmal besteht sie darin, rechtzeitig aufzuhören.
Kurz vor dem Go-live
Während ich diese Zeilen schreibe, steht FLINTAXI kurz vor dem Start.
Aus dem Satz in einem Zeitungsartikel ist eine Plattform geworden.
Aus einer ersten Nachricht wurde eine Zusammenarbeit.
Aus einem Nachmittag in Podersdorf wurden Monate voller Gespräche, Entscheidungen, Code, Tests und langer Abende.
Wenn ich heute auf das Projekt blicke, sehe ich nicht nur Funktionen und Datenbanken.
Ich sehe die Liesl am Campingplatz.
Ich sehe den Tisch, auf dem der Rechner stand.
Ich sehe Marion neben mir, während ich noch „kurz“ etwas fertig machen wollte.
Ich sehe Sima und ihre Freundin in Podersdorf, diesen angenehmen Nachmittag und den Moment, in dem wir den Vertrag unterschrieben.
Ich sehe Fehlermeldungen, die mich beinahe zur Verzweiflung gebracht haben.
Und ich sehe die kleinen Momente, in denen plötzlich alles funktionierte.
Mehr als Code
Ich bin stolz auf das, was entstanden ist.
Nicht, weil jede Zeile Code perfekt wäre.
Nicht, weil die Entwicklung immer geradlinig verlief.
Und auch nicht, weil es keine schwierigen Tage gab.
Ich bin stolz, weil aus einer Idee etwas Greifbares geworden ist.
Weil aus einem Traum ein System entstand, das bald von echten Menschen genutzt wird.
Software besteht nach außen aus Seiten, Buttons und Funktionen.
Aber dahinter bestehen Projekte wie dieses aus Vertrauen, Geduld, Entscheidungen, Zweifeln, Ausdauer und sehr vielen Stunden, die später niemand mehr sieht.
Vielleicht ist das auch gut so.
Denn am Ende soll niemand darüber nachdenken müssen, wie viele Abende nötig waren, damit eine Buchung funktioniert.
Sie soll einfach funktionieren.
Der Beginn eines neuen Kapitels
Mit dem Go-live endet die Entwicklung nicht.
Aber etwas verändert sich.
Bis jetzt haben wir FLINTAXI gebaut.
Bald werden Menschen FLINTAXI erleben.
Rider werden Fahrten buchen.
Driver werden diese Fahrten übernehmen.
Es werden Begegnungen entstehen, Erfahrungen gesammelt und Geschichten geschrieben werden, die wir heute noch nicht kennen.
Vielleicht werden künftig genau diese Geschichten hier im Blog stehen.
Geschichten von Ridern.
Geschichten von Drivern.
Geschichten von besonderen Fahrten und persönlichen Momenten.
Und gelegentlich vielleicht auch Geschichten aus der Technik dahinter.
Von einer Funktion, die zunächst nicht funktionieren wollte.
Von einem Problem, das erst spät in der Nacht gelöst wurde.
Oder von einem Entwickler, der irgendwo auf einem Campingplatz in seiner Liesl sitzt, draußen den Wind hört und noch einen letzten Test durchführt.
Denn FLINTAXI entstand nicht nur aus Code.
Es entstand aus Menschen.
Und genau jetzt beginnt der Teil der Geschichte, auf den wir so lange hingearbeitet haben.